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280 Tage ist die letzte hier dokumentierte Einkehr her.
Davon 212 unfreiwillig bzw. aufgezwungen.
22 Stunden ist der Schnelltest her als wir nach dieser enthaltungsvollen Zeit wieder mal vor einem Gasthaus standen und uns darauf freuten bzw. gespannt waren was uns erwarten würde.
Aber der Reihe nach:
Der Lockdown hatte es uns schon lange reichlich schwer gemacht und aber auch die heimische Küche mit vielen neuen, nicht immer gelungenen, Gerichten erweitert. So manche blieben umgehend im Vorserienstadium stecken, andere wiederum bereichern weiterhin den lokalen Esstisch.
Auch Abhol- und Lieferangebote wurden sporadisch genutzt. Ohne Fehl waren immer die lokalen Gutbürgerlichen.
Aber, und da können die einfach nichts dafür, es war immer irgendwie nicht so wie man es sich erwünschte. Es war irgendwie immer „nur“ ein guter Rostbraten am heimischen Tisch oder ein guter Salat oder, oder, oder.
Es war eben kein „Ausgehen“ und sich bekochen lassen und dann gemütlich am Tisch sitzen und miteinander reden (wenn man sich zuhause nur ankeift… Spässle!)
Der Schnelltest wurde rechtzeitig gebucht und das zu besuchende Haus würde kurzfristig rausgesucht werden. So unser Plan.
Mein Plan war natürlich ein Haus welches ich in der „großen Dürre“ schon ein paar Mal online angesteuert hatte und dessen kreisrunde Produktbilder mir außerordentlich zusagten.
Ich hatte diese Rechnung allerdings ohne den Wirt, hier in Persona meiner lieben Frau, gemacht.
Dazu muß ich kurz erwähnen, daß sie derzeit gesundheitlich angeschlagen ist worauf ich aber ansonsten nicht weiter eingehen will.
Es geht ihr jedenfalls stabil aber das Thema ist immer mal wieder, daß ihre „Gelüste“ doch stark und schnell schwanken.
So konnte mein Plan bei ihr dann doch nicht ganz gewinnen.
Ein Plan B sorgte dann für die nun folgende Einkehr, welche ich eigentlich für irgendwann in der Pipeline hatte.
Das Vereinsheim der SKG Erbstetten.
Vor zwei Jahren schon mal besucht waren wir ob der Servicequalität recht gemanowart. Zumal wir uns auch in Bezug auf das PLV punktuell beutelgeschnitten vor kamen.
Dieser unsägliche ital. Pächter war aber seit anderthalb Jahren Geschichte und ein weit gewanderter junger Pizzabäcker mitsamt Bruder und Familie übernahmen das Haus.
Ein Anruf zur Mittagsöffnungszeit ergab einen sehr freundlichen Kontakt und eine Reservierung zu frühen Abendöffnungszeit.
Zur Reservierung wäre dies aufgrund der noch recht zurückhaltenden Gästeströme so kurz nach Wiedereröffnung nach dem Lockdown zwar nicht nötig gewesen, aber es dient ja auch zum Abklopfen ob überhaut schon oder noch mit kurzer freiwilliger Verlängerung oder…
Wir waren jedenfalls rechtzeitig da und wurden ausgesprochen freundlich begrüßt. Sehr geflissentlich wurde auch umgehend der Test erfragt und da kam dann doch kurz Panik auf. Die kreiseigene Cosima-App, auf welche die Testergebnisse gesendet werden hatte den in dem Augenblick gefühlt alten AndiHa dann doch sehr elegant reingelegt und palaverte von Problemen mit der Serververbindung. Glücklicherweise hatte ich das Ergebnis auch als PDF herunter geladen und damit die wohl menstruierende App selbst hereingelegt. Meine Frau hatte dies nicht getan (herunter geladen!) und so wurden wir ein klein wenig auch auf Treu und Glauben eingelassen.
Der Innenraum war noch immer alles andere als Vereinsheimcharme. Das war schon sehr angenehm. Die Terrasse, auf die es uns zog, war ein typischer, überdachter Vereinsheimbalkon mit Blick auf den Sportplatz und die umliegenden Obstwiesen.
Umgehend kamen vom freundlichen und umgänglichen Kellner auch die Speisekarten und die sehr zurückhaltende Frage ob wir schon etwas zu trinken bestellen oder lieber erst noch die Karte konsultieren wollten.
Als wir noch rätselten welcher Wein denn zu welchem Gericht passen würde entfuhr es unseren Mündern, daß ein Spezi (0,4l zu 2,90) und ein Weizenbier (0,5l zu 3,80) doch auch passen dürften.
Nun, dem geneigten Leser dürfte nicht entfallen sein, daß wir in dieser Hinsicht nicht gar so multidimensional unterwegs sind wie bekannt-brüchtigte Weinzähne und Spritschlucker auf diesem Portal ;-)
Aus der Karte, welche den groben Standard italophiler Häuser in D abbildete sprach uns schon mal ein
Insalata Italia für 1 Person gemischter Salat mit Thunfisch/Schinken/Käse (8,90)
an
Für meine liebe Frau sollte es anschließend
Paccheri Mare e Monte (13,90)
und für mich eine
Pizza Sorpresa (9,90) mit Mozzarella, Schinken, Salami, Champignons, Paprika und Ei
Nach angenehmer Zeit kam ein schöner Insalata begleitet von Pizzabrötchen an den Tisch.
Der Salat war dankbarer Weise auch schon leicht mit Balsamicodressing angemacht und schmeckte sehr gut. Zwei Extrateller wurden zuvor schon bereit gestellt und so wurde der Salat jetzt von uns separiert. Meinereiner mag etwas mehr Essigsäure und so bediente ich mich dann auch aus der ebenfalls herbei gebrachten Menagerie.
Einzig ein deutlich welker Stiel Rucola fiel etwas negativ auf und wurde vom Kellner anschließend bedauernd entschuldigt.
Darf zwar nicht passieren, aber darauf rumreiten will ich jetzt und ganz speziell in diesen Zeiten auch nicht
Die Pizzabrötchen machten dabei auch schon schnell Lust auf das Folgende.
Die Wartezeit zwischen Salat und Hauptspeisen war ebenfalls passend und angenehm.
Meiner Frau Paccheri sahen schon mal ganz gut aus.
Passend im Gargrad und mit Garnelen welche sich deutlich von „Fadenwürmern“ ;-) abhoben.
Und dann kam mal wieder meiner Lieben wechselnder Geschmack zum Tragen. Sie fand das Gericht etwas fad und vermisste etwas den „Bumms“. Bevor sie den Anlauf nahm es mit Salz und Pfeffer zu überwürzen genehmigte ich mir eine kleine Gabel und konnte, nach Allem was ich von meiner Herzdame schon probieren durfte (oder auch musste) dem Gericht und der Soße einen einwandfreien und aromatischen Geschmack attestieren. Sogar die Garnelen noch leicht glasig und nicht zweimal gestorben.
So bitte ich um Nachsicht und werde dieses Gericht bei der Bewertung nur reduziert, bzw. mit Hauptaugenmerk auf mein Geschmacksempfinden, einfließen lassen. Und dabei bekommt es sicherlich 4 Sterne.
Aber kommen wir zu meinem Hauptdarsteller.
Jo, bleich kam sie daher. Und was war denn das für eine unorthodoxe Aufteilung?
Kreuz und quer geschnitten. Das sah ich dann doch zum ersten Mal. Und dann auch noch einen Rand, welcher für meine Vorlieben optisch mal nicht wirklich viel versprach.
Aber wesentlich bemerkenswerter waren die sensorischen Eigenschaften.
Ein Teig, der sehr angenehm gewürzt war wurde von einem ausgesprochen aromatischen Sugo getoppt. Der Boden schön dünn aber nicht hart. Der Belag ebenfalls sehr passend und stimmig-würzig. Dazu super passend das halblapprige Ei in der Mitte (nein, Simba, die Sophia kannste heute stecken lassen! Nicht schon wieder! ;-)). Ich glaube ich werde noch Pizza-mit-Ei-Fan.
Und der Rand war auch alles Andere als eine Enttäuschung. Machte er optisch keine gute Figur war er aber zwar rel. dünn, aber sehr luftig mit einer ganz dünnen Knackschicht außenrum. Und hätte er die eher passendere Bräune erhalten, dann wäre er wohl Knäckebrot geworden. Fein!
Daß ein knackig scharfes Chiliöl und auch Knoblauch erbeten und zur vollsten Zufriedenheit geliefert wurden will ich natürlich nicht verschweigen. Nur falls sich jemand fragt ob sich bei mir in der Zwischenzeit etwas geändert hätte ;-)
Es wurde regelmäßig unsere Zufriedenheit erfragt welche wir ebenso regelmäßig bejahten.
Später gab es noch eine Kugel Eis aufs Haus welche den positiven Eindruck nur noch unterstrich.
Dann gab es noch einen kleinen gemütlichen Schwatz mit dem Pizzabäcker und Mit-Chef des Hauses.
In Gefolge der zukünftige Chef des Hauses welcher die ganze Zeit von drinnen sehr fröhlich und quietschend vernehmbar war. Diesmal aber auf den Armen des Papa.
Der aktuelle Chef des Hauses erzählte uns dabei so manch Anekdote wie er als noch junger Pizzabäcker in Italien den Mund oftmals zu voll genommen habe. Mittlerweile habe er so an die 10 Stationen absolviert und lasse an seinem Pizzateig kaum jemand anderes mehr heran was die Herstellung und Reife betrifft. Durchgängig gäbe es in seinem (Natur-) Keller an die 500 Kugeln Pizzateig und die optimale Reife läge wohl bei deren 4 Tagen.
Auch im Freundeskreis zeigt er sich wohl sehr umgänglich und sagte auch zu uns, ‚wenn Ihr mal schnell Pizzateig benötigt, kein Problem, einfach anrufen und ich gebe Euch ein paar Kugeln mit’
Selbst meine Anmerkung, daß ich den extrem luftigen Teig einer Neapolitana sehr zu schätzen wisse entgegnete er mit der Aufforderung dies zuvor zu sagen, er sei durchaus imstande dies zu bewerkstelligen.
Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, daß es ein sehr angenehmer Gesprächspartner war. ;-)
Fazit:
Das Ambiente und der Service waren in Anbetracht der Örtlichkeit ausgesprochen gut. Bei der Pizza habe ich ungeahnt eine richtig gute Vertreterin gefunden. Die Pasta würde ich aus erwähnten Gründen und mit erwähnter Begründung einfach einreihen.
Für den ersten Nachlockdownbesuch und Angesichts der Tatsache, daß wir keine bekannt-guten Gefilde ansteuerten war es einfach doppelt schön.
Schön mal wieder umsorgt zu werden und schön, daß es so überraschend gut war.